Wirbelsäulengymnastik gehört heute zu den beliebten Angeboten im Bereich des Präventionssports. Die teils sehr unterschiedlichen Konzepte nehmen alle für sich in Anspruch, einen guten Beitrag zur Vorbeugungvon Beschwerden im Zusammenhang mit der Wirbelsäule, leisten zu können. In zahlreichen Fortbildungen werden oft die verschiedensten Konzepte erlernt, ohne dass ein Verständnis für die Art und Weise gefördert wird, wie Wirbelsäulengymnastik eigentlich funktioniert. Ziel dieses Artikels ist es, das nötige theoretische Wissen zu vermitteln, um ein Verständnis für die Funktionsweise der Wirbelsäulengymnastik als Maßnahme zur Vorbeugung von Beschwerden zu bekommen.

Wirbelsäulen und Fitness Gymnastik

Training :

Donnerstag 18.30 bis 19.45 Trainer   Susanne Jenke susannejenke@t-online.de

 

Ziel der Vorbeugung

Will man bestimmten Beschwerden ziel gerichtet vorbeugen, so muss man sich zuerst fragen, wie diese Beschwerden denn überhaupt entstehen. Bei den meisten Menschen, die von Rückenschmerzen geplagt werden, fi ndet man sog. degenerative Veränderungen (=Abnutzungserscheinungen), auf den verschiedenen Röntgen, CT oder MRT Bildern. Es gibt allerdings auch Untersuchungen, die zeigen, dass es teils ebenso viele Menschen mit Abnutzungserscheinungen gibt, die keine Beschwerden haben, so dass man beim Vorhan-densein von solchen Befunden mit der Beurteilung vorsichtig sein muss (Beattie, 1996). D.h. Abnutzungserscheinungen tun nicht zwangsläufig weh. Umgekehrt gibt es viele Menschen mit z. T. heftigen Rückenschmerzen, bei denen sich die Abnutzung in Grenzen hält. Betrach-tet man diese Region genauer, so findet man, dass sie (inkl. der Bandscheibe) außerordentlich gut mit Nerven versorgt ist (Bogduk, 1983). Was letztendlich genau weh tut, wenn man Rückenschmerzen hat, bleibt in den meisten Fällen jedoch ungeklärt. Was heißt das jetzt für das Ziel der Wirbelsäulengymnastik? Die Abnutzungserscheinungen kann man mit Wirbelsäulengymnastik nicht groß beeinflussen. Bleibt die Verhinderung von Schmerzen. Wie aber verhindert man Schmerzen? Vor allem, wenn man nicht weiß, woher sie kommen.

Stabilisierendes System der Wirbelsäule

Panjabi (1992) hat ein Modell entwickelt, mit dem sich die Funktionsweise der Stabilisation der Wirbelsäule auch im Hinblick auf mögliche Beschwerden erklären lässt: Nach seiner Meinung ist das optimale Zusammenspiel dreier Systeme, die sich gegenseitig beeinflussen, nötig, um die Stabilität der Wirbelsäule zu gewährleisten. Das erste ist das passive Subsystem, bestehend aus Wirbelkörpern, Facettengelenken, Bandscheiben, Bändern und Kapseln. Seine Aufgabe (besonders die der Bänder und Kapseln) besteht vor allem darin, mit Hilfe der eingebauten Sensoren Informationen über Spannung, Druck und Gelenkstell-ungen zu ermitteln. Erst in zweiter Linie, nämlich jeweils am Ende des Bewegungs-maximums dienen diese Strukturen auch der Einschränkung der Beweglichkeit, d.h. sie sorgen dafür, dass sie nicht über das normale Maß hinaus bewegt werden können. Das zweite, das aktive Subsystem, besteht ausMuskeln und Sehnen. Aufgabe der Muskeln ist es, die benötigten Kräfte zu generieren und die Stabilität der Wirbelsäule zu gewährleisten. Die Sehnen geben mit ihren eingebauten Sensoren eine Rück-meldung über die Höhe dieser Kräfte. Das neurale Kontrollsystem ist das dritte Subsystem im Bunde. Seine Aufgabe ist es, die Information der Sensoren weiterzuleiten, zu verarbeiten und entsprechende Befehle, z.B. an das aktive Subsystem zu erteilen.